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Android GPS Schulung

Digitaler Kompass beim Android Smartphone

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Der Digitalkompass oder Magnetometer richtet sich, wie der klassische mechanische Kompass, am Magnetfeld der Erde aus. Der in vielen Smartphones und Tablets verbaute Sensor dient primär dazu, die Himmelsrichtungen und somit die Ausrichtung des Geräts zu bestimmen. Seine Funktionalität ist unabhängig von GPS/GNSS sowie mobilem Internet.

Grundsätzlich kannst du mit dem Smartphone-Kompass alles machen, was auch ein mechanischer Magnetkompass leistet. Bei bestimmten Anwendungen musst du allerdings Abstriche machen, für die Arbeit mit Papierkarten ist ein Linealkompass wesentlich besser geeignet. Ein Spiegel- oder Peilkompass liefert beim Anpeilen von Landmarken meist die genaueren Ergebnisse, dennoch ist gerade diese Anwendung eine spannende Funktion des Smartphone-Kompasses, dazu später mehr.

Seien wir ehrlich, die Chance, dass das Smartphone schlapp macht ist wesentlich größer als dass der GPS-Empfang komplett abbricht. Dennoch gibt es viele Situation wo einem der digitale Kompass die Orientierung erleichtert oder erst ermöglicht.
Die GNSS-Systeme liefern nur die Koordinaten der eigenen Position, im Stand ist demnach ohne Magnetometer keine Richtungsanzeige möglich. In Bewegung wird anhand der per GPS ermittelten Bewegungsrichtung die Himmelsrichtungen abgeleitet (je schneller desto genauer) und somit ein Kompass simuliert.

Es gibt eine Reihe von Android-Apps die eine Kompassrose anzeigen, z.B. Nur ein Kompass. Auch 'Locus Map 4/Pro' hat eine Kompassanzeige integriert, und da ich den Schwerpunkt auf diese GPS-App lege, erfolgen damit alle weiteren Anleitungen.

Digitaler Kompass bei der Outdoor-App Locus Map

Kompassrose und Azimut

Zur Kompass-Seite von Locus Map gelangst du über das Sat-Symbol > Tab oben: Kompass. Hier wird unabhängig von der Ausrichtung des Smartphones die Himmelsrichtungen angezeigt. Bleibt die Kompassrose beim Drehen in der Hand starr, dann hat das Gerät sehr wahrscheinlich keinen Kompass-Sensor integriert. Normalerweise sollte das Android-Phone (wie auch der mechanische Kompass) flach in der Hand oder auf einem Tisch liegen.
In den 2 kleinen Kreisen wird bei Locus die Neigung der Längs- und Querachse des Smartphones/Tablets angezeigt.

Dein Android-Gerät hat einen 3-Achsen-Kompass an Bord, somit lässt sich dieses zur besseren Ablesbarkeit auch in einem kleinen Winkel (bis ca. 45 Grad) halten, dies verschlechtert die Kompass-Genauigkeit nur gering. Bitte das Phone aber NICHT senkrecht in der Hand halten, der Sensor funktioniert dann nicht und muss evtl. sogar neu kalibriert werden.

Auf der Kompassrose werden 4 Himmelsrichtungen sowie eine 360-Grad-Einteilung im Uhrzeigersinn angezeigt. Norden , Osten , Süden und Westen entsprechen 0° (N), 90° (E), 180° (S) und 270°(W).

Azimut
Mittig oben wird die Ausrichtung des Phones angezeigt. Zudem kannst du den Richtungswinkel ablesen: Azimut ist hier der Winkel zwischen Norden (0°) und der Ausrichtung des Geräts. Wenn du dein Android-Phone wie auf der Grafik vor dich hältst, dann ist dies deine Blickrichtung und in Bewegung deine Marschrichtung. Azimut 315 Grad bedeutet, dass du in Richtung NW blickst oder in diese Richtung läufst. Voraussetzung: Die Ausrichtung des Phones stimmt mit deiner überein.

Azimut ist der Winkel zwischen Norden (0°) und der Ausrichtung des Smartphones.

Abweichungen und Kalibrierung

Genau wie der mechanische Kompass ist auch der digitale störungsanfällig gegenüber elektromagnetischen Felder sowie Metall-Magneten. Kopfhörer und Stromkabel machen meist Probleme. Dies ist auch der Grund, warum du ein Magnetometer nicht am E-Bike, im PKW oder in der Nähe von Stromquellen einsetzen solltest. Du erkennst dies wenn sich die Kompassrose seltsam verhält oder die Karte sich auffällig dreht. Oft ist dann die Ausrichtung nachhaltig gestört, so dass du den Sensor erneut am Magnetfeld der Erde ausrichten musst. Diesen Vorgang nennt man kalibrieren.

Hier der Vorschlag von Google, der Weg über die 'Google Maps App' ist nicht zwingend notwendig, dort wird aber nochmal angezeigt wie das genau funktioniert und ob die Genauigkeit erreicht ist:

Zeichne in der Luft mit deinem Phone mehrmals die Form einer 8 mit Steilkurve bzw. einem verdrehten Band. Wichtig ist, dass dies an eine Stelle ohne stärkere magnetische Felder erfolgt und alle 3 Achsen des Geräts am Magnetfeld der Erde neu ausgerichtet werden. Du kannst auf der Locus-Kompassrose übrigens den Sonnenstand sehen und anhand diesem nochmal prüfen ob der Kompass korrekt arbeitet.

Deklination
Deklination oder Missweisung ist der Unterschied (+ - Grad bzw. der kleinere Winkel) zwischen magnetisch (MN) und geografisch Nord (Rechtweisend Nord/rwN, true north/TN).
Rechtweisend bedeutet, dass der N-Pfeil entlang der Meridiane zum geographischen Nordpol zeigt.

Der digitale sowie der mechanische Kompass zeigt übrigens NICHT zum magnetischen Nordpol sondern richtet sich an den Feldlinien des Magnetfeldes der Erde aus. Diese können von Ort zu Ort abweichen und verändern sich ständig. Aktuell beträgt die Deklination für Karlsruhe ca. +3° , vor 100 Jahren war es -9°. Bei Locus Map kannst lässt sich unter Kompass > Menü o.r. > Einstellungen > GPS und Sensoren > Ausrichtung ein Schalter 'Tatsächliche Ausrichtung verwenden' aktivieren. Jetzt zeigt die Kompassrose geografisch Nord an bzw. die Deklination wird anhand der aktuellen Position ermittelt und verrechnet.

Karte Einnorden

Beim Einnorden wird eine digitale oder gedruckte Karte so ausgerichtet, dass sich die Himmelsrichtungen im Gelände und auf der Karte entsprechen. Jetzt kannst du Karte und reales Gebiet im Geiste abgleichen, somit entsteht echte Orientierung bzw. ein Gefühl für die Umgebung!

Am besten hälst das Phone oder Tablet waagerecht in Blickachse vor dich (wie auf der Azimut Grafik). Drehe dich jetzt mit dem Gerät so, dass die Längsachse exakt in N - S Richtung bzw. Azimut 0/360° ausgerichtet ist. N=oben, O=rechts, S=unten, W=links auf dem Smartphone bzw. der Kompassrose entsprechen jetzt den gleichen Richtungen auf der Karte sowie im Gelände. Achte beim Wechsel auf die digitale Karte darauf, dass diese genau wie ein gedruckte Karte genordet ist.

Beim Einnorden der Papierkarte solltest du darauf achten, dass die Kante des Phones parallel zur Kartenkante liegt, auf einem Tisch kannst du dann das Gerät zusammen mit der Karte drehen bis N mittig oben Azimut 0° ist.

Einnorden: N - O - S - W in Karte und Gelände entsprechen sich.


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Zielführung per Luftlinie (Peilung)

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